Eckernförder Zeitung vom 09.12.2011
Osterby. Die Zahlen sind eindeutig. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabite landen die Daten auf den Osterbyer Rechnern. Heinz-Jürgen Neve vom "Schinkenkrog" ist einer der ersten, der in den Genuss des schnellen Internets kommt. Mit ihm sind es aber noch viele Haushalte, die seit kurzem über ein hochmodernes Breitband verfügen. Insgesamt sind es 15 000 Haushalte in den Ämtern Hüttener Berge, Dänischer Wohld und Dänischenhagen, die angeschlossen werden können. "Lange Jahre waren wir das Ende der Welt", sagt Osterbys Bürgermeister Robert Ott, "ein weißer Fleck auf der Landkarte, was die Internetversorgung betrifft." Immer wieder habe es Versuche gegeben, den Ausbau des Internets im Ort voranzutreiben, doch letztlich scheiterten die Bemühungen an den hohen Investitionskosten. "Mittlerweile ist der Internetanschluss ein wichtiger Standortfaktor", sagt auch Hüttens Amtsleiter Andreas Betz. Bei Grundstücksanfragen würde auch immer die DSL-Versorgung in der jeweiligen Gemeinde eine Rolle spielen.
Um den Ausbau des schnellen Internets im ländlichen Raum zu realisieren, ist vor rund zweieinhalb Jahren in den drei Ämtern das bundesweite Pilotprojekt eines Breitbandzweckverbandes entstanden. Rund zehn Millionen Euro werden in das Netz gesteckt, rund sieben Millionen davon kommen aus Fördertöpfen des Landes und der EU. Auch die 28 Gemeinden haben sich je nach Größe mit 20 000 bis 50 000 Euro an dem Projekt beteiligt. Als Partner hat sich der Zweckverband die mr. net group ins Boot geholt. Das Flensburger Unternehmen sorgt für die technische Umsetzung und mit dem Produkt "Fiete.Net" für den direkten Weg ins World Wide Web.
Rund 180 Kilometer Leerrohre werden verlegt, etwa 30 Kilometer sind bereits in der Erde. Das Leerrohrnetz gehört dem Breitbandzweckverband und wird dem Internetanbieter verpachtet. Entlang des Glasfasernetzes werden auch 74 so genannte Multifunktionsgehäuse (MFG) errichtet. Die mr. net group verbindet die Lichtwellenleiter über die MFG mit den jeweiligen Kabelverzweigern (KVZ) der Deutschen Telekom. Den weiteren Datentransport zum Gebäude übernehmen konventionelle Kupferverbindungen.
"Zweieinhalb Jahre der Theorie sind endlich vorbei", sagt Betz, zugleich einer von drei Geschäftsführern des Breitbandzweckverbandes. In Osterby und Revensdorf konnten jetzt die ersten Erfolge nachgewiesen werden. "Etwa 50 Haushalte sind jetzt ’live’", wie Thorsten Dinkala von der mr. net group den Anschluss nennt. Auch in Bornstein und Damendorf ist "Fiete.Net" bereits vorhanden. Noch in diesem Jahr sollen Brekendorf und Hütten folgen. Je nach Wetterlage soll es zu Jahresbeginn in Ahlefeld-Bistensee, Bünsdorf und Holzbunge weitergehen. "In den drei Ämtern sind sechs Baukolonnen unterwegs", sagt Matthias Meins, Amtsdirektor im Dänischen Wohld und Geschäftsführer des Zweckverbandes. Täglich würden rund 400 Meter Glasfaserkabel verlegt werden. Die weiteren Prioritäten der Ausbauplanung sollen auf der Sitzung des Zweckverbandes am Montag, 19. Dezember, im Osterbyer "Schinkenkrog" abgestimmt werden.
Auf Einwohnerversammlungen hat die mr. net group über ihre Produktpalette informiert. Das Interesse an einem Wechsel sei groß, können alle Beteiligten bestätigen. Dennoch gebe es bei vielen Bürger eine Hemmschwelle, ihren derzeitigen Anbieter zu wechseln, aus Angst, plötzlich ohne Internet und Telefon dazustehen. "Die Kündigung beziehungsweise den Wechsel übernehmen wir", sagt Günter Blankenagel. Eine mehrjährige Vertragsbindung gebe es nicht, betont er. Der Vertrag mit dem Unternehmen werde über eine Leistung und nicht über eine bestimmte Zeit abgeschlossen. Zudem gebe es da so genante Fairnessversprechen. Das heißt, die Kunden müssten nur die Bandbreite bezahlen, die auch wirklich bei ihnen ankomme. 14 Tage lang könne die Geschwindigkeit und der Tarif getestet werden.
Das Interesse an dem Projekt im Norden des Landes ist groß. Die Geschäftsführung des Zweckverbandes führe oft Gespräche mit Verantwortlichen auch aus dem Süden der Republik, die genau verfolgen, wie sich das Projekt entwickelt. Es gebe aber Neider, weiß die Geschäftsführung. "Die Gemeinden aus dem Zweckverband werden besser mit Internet versorgt sein, als Teile der Landeshauptstadt oder anderer Großstädte", sagt Meins und bezeichnet das so genannte Bürgernetz als einen "Leuchtturm innerhalb Deutschlands".










